
Apps gibt es viele, Kommunal-Apps auch. DorfFunk war eine der ersten und wurde von Fraunhofer IESE im Rahmen eines Förderprogramms entwickelt. StadtLand.Funk ist die Weiterentwicklung, sie ist in über 300 Gemeinden im Einsatz und zeigt auf, wie der Übergang eines Förderprojektes in einen nachhaltigen Betrieb gelingen kann. Social Media, lokal, sicher und datenschutzkonform.
Hören Sie rein – es lohnt sich.
Wenn Kommunen wieder zuhören – wie StadtLand.Funk lokale Kommunikation neu denkt
In der neuen Episode 45 unseres Podcasts „City Transformer“ sprechen Franz-Reinhard Habbel und ich mit Dr. Carola Croll (Stiftung Digitale Chancen) und Shirin Wiechers (Geschäftsführerin der Smartes Land GmbH) über StadtLand.Funk – eine App, die Kommunen, Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern einen gemeinsamen digitalen Ort gibt. Was vor wenigen Jahren als Forschungsprojekt am Fraunhofer IESE in Rheinland-Pfalz unter dem Namen DorfFunk begann, wird heute bundesweit von über 300 Kommunen eingesetzt. Mit dem Weiterentwicklung von DorfFunk und BayernFunk zu StadtLand.Funk geht das Vorhaben einen entscheidenden Schritt: vom befristeten Förderprojekt zum dauerhaften, gemeinwohlorientierten Angebot.
Vom Forschungsprojekt zur lokalen Infrastruktur
Eines der Themen, die mich an dieser Geschichte besonders interessieren, ist der Übergang. Wer in der kommunalen Welt unterwegs ist, kennt das Phänomen: Förderprojekte enden, und mit ihnen verschwindet oft auch das, was eigentlich gerade angefangen hatte zu wirken. Im Fall des DorfFunks lief es anders. Carola Croll beschreibt die Entwicklung in Niedersachsen sehr anschaulich – aus einem einzelnen Ortsteil wurde eine landesweit geförderte Anwendung, aus der landesweiten Anwendung ein bundesweites Anliegen. Damit der Betrieb nicht am Ende eines Forschungszyklus zerbricht, haben sich die Versicherungskammer Bayern, die ÖRAG/Deutsche Assistance-Gruppe und Fraunhofer IESE zusammengetan und die Smartes Land GmbH gegründet. Eine vielleicht ungewöhnliche Konstellation – und gleichzeitig sehr passend, weil sowohl öffentliche Versicherer als auch die Sparkassen-Finanzgruppe eine gewisse Nähe zur Daseinsvorsorge haben.
Kommunikation umfassend gedacht
Shirin Wiechers betont im Gespräch, dass es bei StadtLand.Funk nicht nur darum geht, Informationen aus dem Rathaus zu verteilen. Die App soll Kommunikation umfassend ermöglichen: Bürgerinnen und Bürger können kommentieren, eigene Beiträge verfassen, an Umfragen teilnehmen, in Gruppen kommunizieren und auf einem digitalen Marktplatz Dinge anbieten oder suchen. Vereine und Ehrenamt bekommen eigene Räume. Über Module wie den digitalen Schaukasten, den Mängel- und Lobmelder LösBar oder Schnittstellen zu kommunalen Webseiten lässt sich die Anwendung an die Bedürfnisse vor Ort anpassen.
Wichtig ist mir – und das wird in der Episode mehrfach deutlich – der klare Unterschied zu klassischen Social-Media-Plattformen: DSGVO-konform, Open Source, auf deutschen Servern gehostet, mit lokaler Moderation. Ein bisschen wie Mastodon speziell für Kommunen. Das ist eine mögliche Antwort auf das, was ich am Anfang der Folge thematisiert habe: die ARD-Dokumentation „Gefährliche Apps – Im Netz der Datenhändler“. Standortdaten aus harmlos wirkenden Apps landen bei Datenhändlern und ergeben Bewegungsprofile, die Bedrohungen für Einzelpersonen und sogar für die nationale Sicherheit darstellen können. Eine kommunale App, die diesen Kreislauf bewusst nicht bedient, ist mehr als ein nettes Produkt – sie ist ein Stück digitale Infrastruktur, die digitale Souveränität ernst nimmt. Idealerweise würden die Inhalte in einem Format publiziert, die mit dem Fediverse kompatibel ist. Das habe ich tatsächlich vergessen zu fragen. Vielleicht kann ich das nachliefern.
Demokratie braucht Räume zum Zuhören
Franz-Reinhard Habbel hat zu Beginn der Episode auf ein Statement von Digitalminister Karsten Wildberger verwiesen: Unsere Sprache sei zutiefst wertend, wir müssten wieder lernen, angstfreier miteianander zu diskutieren, mehr zuhören und mit Respekt in Gespräche gehen. Genau hier setzt StadtLand.Funk an. Wenn Bürgerinnen und Bürger in einer moderierten, lokal verankerten Plattform über Windkraftanlagen, Spielplätze oder die schöne neue Bepflanzung des Verkehrskreisels diskutieren können, kann etwas entstehen, das in der vergifteten Logik großer Plattformen kaum noch möglich ist: ein Gespräch, das man auch im Dorfladen oder im Vereinsheim weiterführen könnte. Wer im Dorf etwas Falsches sagt, wird – wie Carola Croll es treffend formuliert – „digital und analog angesprochen“. Das ist Moderation auf einem ganz anderen Fundament, als es jeder Tech-Konzern liefern könnte. Und auch hier erinnert mich das an das Fediverse.
Bezahlbar und zukunftsoffen
Eine wichtige Frage: Was kostet das? Eine Gemeinde bis 5.000 Einwohner zahlt ca. 100 Euro im Monat – Bürgerinnen und Bürger nutzen die App grundsätzlich kostenlos. Carola Croll zeigt Beispiele auf, wie Kommunen die Kosten gemeinsam stemmen können: über den Landkreis, mit Hilfe einer Stiftung, im Crowdfunding oder im Verbund mehrerer Gemeinden. Das sind die Modelle, die kommunale Digitalisierung bezahlbar halten – und gleichzeitig zeigen, dass Daseinsvorsorge im Digitalen nicht den großen, US-dominierten Plattformen überlassen werden muss.
Zwei Hinweise zum Schluss:
Wer Themenvorschläge für unseren Podcast hat, schreibt uns gern an info@habbelundlobeck.de.
Und wer digital unabhängiger werden möchte, kann sich am nächsten ersten Sonntag im Monat dem Digital Independence Day anschließen. Beides – die kommunale Kommunikationsinfrastruktur vor Ort und die persönliche digitale Souveränität – gehört für mich zusammen.
Hören, Lesen, Weitersagen
Die ganze Episode finden Sie wie gewohnt auf habbelundlobeck.de oder direkt im Podcast-Player. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, lege ich Ihnen die offizielle Seite smartesland.de ans Herz, sowie die Übersicht zum Übergang DorfFunk → StadtLand.Funk auf digitale-doerfer.de. Und falls die Frage nach dem Datenhandel Sie umtreibt: Die ARD-Doku „Gefährliche Apps“ und die zugehörigen Recherchen von netzpolitik.org sind sehr empfehlenswert.
Hier gibt es das automatisch erstellte Transkript als pdf für alle, die lieber lesen als hören.

Feedback und Anregungen gerne unter info@habbelundlobeck.de direkt an uns.
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Der Autor: Michael Lobeck
Ich moderiere Veranstaltungen und berate öffentliche und private Akteure zu guter Kommunikation in der Stadtentwicklung. Ich halte auch Vorträge zu Sinn und Unsinn von Smart Cities und schreibe Bücher zu dem Thema. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, was ich für Sie tun kann, melden Sie sich gerne bei mir.
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