21.11.15 / Stadtgestaltung im Dialog / Amerikanische Siedlung – konservieren oder verdichten?

OpenStreetMap-Karte der Amerikansichen Siedlung Bonn

OpenStreetMap-Karte der Amerikansichen Siedlung Bonn; Lizenz: Open Database Licence (ODbL)

Eine gesamtstädtische Diskussion über Wachstum und Wohnungsbau fehlt, so ein Ergebnis der sehr engagiert geführten Disskussion von 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Zukunft der Amerikanischen Siedlung und allgemeinen Fragen der Stadtentwicklung. Eingeladen hatte die Volkshochschule Bonn (VHS) gemeinsam mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) Bonn-Rhein-Sieg.

Die Bürgerinitative „Rettet die Amerikanische Siedlung e.V. (RASP)“ (link zu Facebook) unterstützte die Veranstaltung sowohl durch ihre Teilnahme als auch durch verschiedene Informationen und Materialien. Die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag) war – wie auch die Stadt Bonn – eingeladen, beide nahmen aber nicht an der Veranstaltung teil.

Grundsätzlich geht es um die Frage, ob die Eigentümerin des größten Teils des Areals, die Bonner Vebowag, zusätzliche Gebäude in der Siedlung bauen kann, soll und darf. Die Vebowag, die sich überwiegend im städtischen Eigentum befindet, hatte 2013 (?) Ideen veröffentlicht, nachdem weitere Gebäude zur Nachverdichtung auf den großzügigen Grünflächen der Siedlung entstehen sollten.

Foto des Eingangs in die Amerikanische Siedlung Plittersdorf (Kennedyallee / Europastraße)

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0

Damit stieß sie auf erheblichen Protest sowohl aus der Anwohnerschaft als auch bei fast allen politischen Parteien – sowohl im Bezirk als auch im Rat. Der Rat verabschiedete dann auch im September 2014 einen einstimmigen Beschluss (pdf):

„Die Bezirksvertretung Bad Godesberg und der Rat der Bundesstadt Bonn
halten es für unverzichtbar, den Denkmalschutz der Amerikanischen
Siedlung in Bad Godesberg-Plittersdorf einschließlich der parkartigen,
großzügigen Grünflächen unverändert zu erhalten.
 
Änderungen des bestehenden örtlichen Baurechtes (Bebauungsplan Nr.
8119-01) lehnen die Bezirksvertretung Bad Godesberg und der Rat der
Bundesstadt Bonn kategorisch ab.“

Inzwischen verkündete der Geschäftsführer der Vebowag, Michael Kleine-Hartlage, laut General-Anzeiger auch, eine Nachverdichtung der Siedlung sei vom Tisch.

Die Siedlung stehe unter Denkmalschutz und dürfe daher nicht verändert werden – so die Position der Bürgerinitiative RASP und offenbar auch einer Mehrheit des Rates. Die vermutlich von ihrem Hauptgesellschafter mit der Bitte um Wohnungsneubau versehene Vebowag hatte offenbar die großzügigen Grünflächen im Blick und schätzte die politische Lage falsch ein. Rolf Fischer, Vorsitzender der RASP, betont darüber hinaus, dass die Vebowag sowohl Mietern aber auch Käufern von Eigentumswohnungen gegenüber die unverbaubare Qualität der Siedlung betont habe, und damit den Denkmalschutz nutze, um einen besseren Vermietungs- und Verkaufserfolg zu erzielen.

Foto des Kindergartens in der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0; Panorama: Autostitch (http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html)

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Anwohner und Vebowag ist der Kindergarten in der Siedlung. Das Gebäude sei nicht wirtschaftlich zu sanieren und müsse daher durch ein neues ersetzt werden, so Kleine-Harlage laut GA. In diesen Zustand sei das Denkmal erst gekommen, weil die Vebowag es nicht instand gehalten habe, so die Bürgerinitiative. Man müsse prüfen, ob eine Sanierung möglich sei, bevor man abreisse und neu baue.

Der Entwurf für einen neuen Kindergarten sieht 1.700 m² Fläche auf zwei Etagen (Erdgeschoß und zurückgesetztes Staffelgeschoß) vor. Der bestehende Kindergarten verfügt über 800 m² in einem Geschoß. Der Abbruchantrag der Vebowag sei von der Verwaltung abgelehnt worden, so Rolf Fischer, der Vorsitzende der Bürgerinitiative RASP. Jetzt sei man gespannt, wie es weiter ginge. Die Bürgerinitiative sei nicht grundsätzlich gegen einen neuen Kindergarten. Dieser müsse aber im Einklang mit dem Denkmalschutz entstehen. (s.a. Artikel von Bettina Köhl im GA vom 22.7.15)

Im Rahmen der Diskussion ist deutlich geworden, dass für eine Verbesserung des Gesprächsklimas von Anwohnern und Vebowag noch jede Menge Spielraum besteht. Ohne die Hintergründe und bisherigen Versuche von Kommunikation im Einzelnen bewerten zu können, scheint mir, dass eine Wohnungsbaugesellschaft, die sich überwiegend im städtischen Eigentum befindet und über rund 6.000 Wohnungen mit etwa 20.000 Bewohnern verfügt, in der Lage sein muss, eine professionelle Kommunikation auch mit aufgebrachten und vielleicht in ihren Augen nicht immer nur sachlich argumentierenden Anwohnerinnen und Anwohnern konstruktiv zu führen.

Foto in der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0; Panorama: Autostitch (http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html)

Foto in der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0; Panorama: Autostitch (http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html)

Foto in der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0; Panorama: Autostitch (http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html)

Foto in der Amerikanischen Siedlung Plittersdorf

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0; Panorama: Autostitch (http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html)

Das in der Presse erwähnte Angebot eines Mediationsverfahrens für den Kindergarten von der Vebowag, dass die Bürger einbeziehen soll, lässt in dieser Hinsicht hoffen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung kamen in der Diskussion unter anderem zu dem Schluss, dass eine losgelöste Diskussion der Frage lokaler Nachverdichtung von übergeordneten Themen nicht zielführend ist. Es lässt sich grundsätzlich und unkompliziert nicht entscheiden, ob denn eher naturschutzrechtliche geschützte Flächen oder denkmalschutzrechtlich geschützte Flächen bebaut werden sollen. Auch die Frage, ob man bei vorhandenem Wachstum durch Zuzug durch Verzicht auf neuen Wohnungsbau steigende Mieten in Kauf nehmen will, ist nicht einfach zu beantworten.

Eine gesamtstädtische Diskussion über Wachstum und Wohnungsbau fehlt. Es braucht eine Abwägung von Vor- und Nachteilen des Wachstums und einer Strategie, wo Bonn denn wachsen soll, wenn es wachsen will. Diese Diskussion muss mit den Bürgerinnen und Bürgern geführt werden, die nur so neben dem Einbringen ihrer individuellen Sichtweisen und Interessen gemeinsam eine Kultur des Abwägens entwickeln können.

 

Hier finden Sie einen Artikel von Thomas Kölsch im General-Anzeiger zur Veranstaltung. Bis auf den etwas launisch-kommentierenden letzten Satz eine gelungene Zusammenfassung der Veranstaltung.

 

Weitere Artikel aus dem General-Anzeiger zum Thema:

Die Vebowag hält, wie gestern berichtet, Abriss und Neubau des Kindergartens in der Amerikanischen Siedlung für den einzig gangbaren Weg. Das sieht die Bürgerinitiative Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf (RASP) kritisch.

Quelle: Amerikanische Siedlung: Politiker verweisen auf Denkmalschutz | GA-Bonn

Der Kindergarten in der Amerikanischen Siedlung ist nicht mehr zu sanieren. Das besage ein aktuelles Gutachten, das die Vebowag in Auftrag gegeben hat. Einen Abrissantrag hatte die Wohnungsbaugesellschaft, deren Hauptaktionär die Stadt Bonn ist, bereits

Quelle: Amerikanische Siedlung in Plittersdorf: Großer Aufruhr in „Klein Amerika“ | GA-Bonn

Flugblatt der Bürgerinitiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (RASP):

Flugblatt der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" (RASP), S. 1

Flugblatt S. 1

Flugblatt der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" (RASP), S. 2

Flugblatt S. 2

Flugblatt der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" (RASP), S. 3

Flugblatt S. 3

Flugblatt der Bürgerinitiative "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" (RASP), S. 4

Flugblatt S. 4

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Artikel zum Thema Stadtentwicklung finden Sie hier.

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