24.8.15 „Bonner OB-Kandidaten-Talk“ im DGB-Haus / Ein Bericht

Die Kandidaten Tom Schmidt, Ashok Sridharan und Peter Ruhenstroth-Bauer zur OB-Wahl 2015 in Bonn mit Moderator Cay Kinzel nach der Diskussion im DGB-Haus am 24.8.15

Foto: Michael Lobeck, CC BY 4.0, @michael_lobeck, promediare.de

Am heutigen Montag Abend habe ich den „Bonner OB-Kandidaten-Talk“ des DGB besucht. Zwei Gründe gab es dafür: 1) Ich weiß noch nicht, wen ich wählen soll und 2) Ich will mich auf die Veranstaltung mit den Kandidaten am 8.9. in der VHS vorbereiten. Unter dem Titel „Stadtklima im Wandel“ moderiere ich eine Podiums- und Publikumsdiskussion zu der Frage, wie die Stadt Bonn das zu erwartende Einwohnerwachstum gestalten kann. Die Veranstaltung wird von der Volkshochschule Bonn (VHS) gemeinsam mit dem BDA Bonn / Rhein-Sieg organisiert. Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich.

Die Diskussion im DGB-Haus habe ich auf Twitter mit etwas mehr als 100 Tweets begleitet.

Der Moderator begann die Diskussion mit einigen Fragen aus dem „Fragebogen des FAZ-Magazins“, die er den Kandidaten reihum stellte. Ich habe versucht, die Antworten alle mitzubekommen, aber das Tempo war recht schnell. Am Ende des Artikels dokumentiere ich, was zu den Fragen bei mir angekommen ist.

Vorher noch der Versuch einer Zusammenfassung der etwas mehr als 100 Tweets:

Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den Kandidaten:

  • Alle drei haben Kinder.
  • Alle haben Erfahrung mit (Kommunal-)Politik.
  • Alle drei betonen, dass die Stadt sparen muss.
  • Alle glauben, dass gute Lösungen nur mit den Angestellten und deren Vertretungen gemeinsam erreicht werden können.
  • Alle wollen „intelligent“, „nicht als Selbstzweck“ und „nicht mit dem Rasenmäher“ sparen.
  • Alle wollen die Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis verbessern.
  • Alle wollen, dass auch Menschen mit geringem Einkommen ins Theater gehen können.
  • Alle wollen die freien Sonntage verteidigen. Sridharan den Status Quo, Ruhenstroth-Bauer und Schmidt könnten sich mehr vorstellen.
  • Alle finden Arbeitnehmer-Mitbestimmung eine gute Sache.
  • Alle loben das Engagement der Bonner für die Flüchtlinge.
  • Alle wollen vor einer Entscheidung zur Seilbahn die wirtschaftliche Machbarkeit prüfen.
  • Alle formulieren zur Frage nach TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) und dessen Auswirkungen auf die Daseinsvorsorge in den und durch die Kommunen, dass Privatisierungen der Daseinsvorsorge nicht mit ihnen zu machen sei.

 

Die Kandidaten Tom Schmidt, Ashok Sridharan und Peter Ruhenstroth-Bauer zur OB-Wahl 2015 in Bonn und Moderator Cay Kinzel nach der Diskussion im DGB-Haus am 24.8.15

Foto: Michael Lobeck, CC BY 4.0, @michael_lobeck, promediare.de

Es gibt aber auch Unterschiede, wenn auch vielleicht nicht direkt Gegensätze:

Schmidt will, dass die Oper noch 3-4 Mio Euro mehr einspart als bisher vereinbart. Er benennt als eine Option den Verzicht auf zwei Spielstätten, deren Bespielung 2,5 Mio Euro pro Jahr kosteten. Ruhenstroth-Bauer plädiert für mehr Kooperation zwischen Bonn und z.B. Köln. Da könne man von anderen Erfahrungen lernen, z.B. Düsseldorf/Diusburg. Sridharan will alle Sparten erhalten, die Kultur wirtschaftlicher aufstellen und Subventionen abbauen.

Sridharan und Schmidt betonen fast wortgleich, dass Wirtschaftsförderung „Chefsache“ sein muss.

Sridharan und Schmidt gehen davon aus, dass die Schließung der Jugendverkehrsschule nicht schön, aber vertretbar ist, weil die Kinder auch auf dem Schulhof den Verkehr lernen könnten. Ruhenstroth-Bauer formuliert die Frage, ob das wirklich günstiger sei.

Ruhenstroth-Bauer und Schmidt lehnen Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) ab, weil sie sich nicht rechneten und den Kommunen keine Vorteile brächten. Sridharan formuliert seine Zustimmung zu ÖPP mit dem Vorbehalt, dass aber keine Arbeitsplätze eingespart werden sollen und es für die Kommune günstiger sein müsse. In Königswinter könne man nachfragen.

Ähnlich bei der Frage nach der sog. „Südtangente“ und dem „Ennertaufstieg“. Ruhenstroth-Bauer und Schmidt lehnen die Südtangente deutlich ab, sie sei ein „Dinosaurierprojekt aus den 60ern“ (Schmidt) und man brauche den Platz für Natur und Wohnen (Ruhenstroth-Bauer). Sridharan formuliert seine Position anders. Es brauche eine Verbesserung der Anbindung an die A3 und eine Entlastung der Reuterstraße. Er wolle aber keine Autobahn durch die Stadt und er glaube nicht an die Südtangente.

Dann gab es noch einige spezifische Vorschläge der Kandidaten:

  • Tom Schmidt will im Verkehrsbereich vor allem den Umweltverbund fördern und dabei besonders das Fahrrad, weil hier mit relativ geringen Investitionen das meiste erreicht werden kann. Die Förderung des Radverkehrs schont die Umwelt und macht auch die Straßen frei für die, die sie tatsächlich brauchen.
    (Das Thema Fahrrad wird von Sridharan später auch aufgegriffen, Ruhenstroth-Bauer betont auch, dass motorisierter Individualverkehr keine Lösung darstellt);
  • Die Oper und das Schauspiel sollen mehr raus aus ihren Häusern zu den Menschen in die Stadt gehen und neue Formen entwickeln. Man bräuchte nicht mehr vom selben. Deshalb sei er auch gegen das Festspielhaus gewesen.
  • Schmidt will die Kooperation zwischen Stadtwerken, Sparkasse und Vebowag verbessern um Synergien zu nutzen.
  • Ashok Sridharan schlägt vor, die Stadt solle Grundstücke für sozialen Wohnungsbau günstiger veräußern.
  • Er fordert, die drei Verkehrsträger in der Region sollen stärker kooperieren. (Dies wird von Schmidt dann später auch aufgegriffen)
  • Man müsse regional auch größer denken und sich mit Köln, Rhein-Sieg-Kreis, Leverkusen und Aachen gemeinsam abstimmen und agieren.
  • Ruhenstroth-Bauer formuliert als Kritik am Status Quo, dass häufig zuerst geplant würde und dann BürgerInnen einbezogen würden. Er will dafür sorgen, dass stattdessen von vorneherein mit den Bürgerinnen und Bürgern geplant würde.
  • Er betont, dass die Stadtwerke ihren Überschuss bräuchten, um attraktive Verkehrsangebote weiterzuentwickeln. Der Überschuss dürfe nicht einfach in den Haushalt der Stadt fließen.
  • Er positioniert sich klar gegen die Schließung der Stadtteilbibliotheken. Sridharan und Schmidt sprechen hier (für Dottendorf und Endenich) davon, ehrenamtliches Engagement unterstützen zu wollen.

 

Wenn Sie jetzt noch nicht wissen, wen Sie wählen sollen, kommen Sie doch zur Veranstaltung mit den Kandidaten am 8.9. in der VHS. Unter dem Titel „Stadtklima im Wandel“ werden wir diskutieren, wie die Stadt Bonn das zu erwartende Einwohnerwachstum gestalten kann. Die Veranstaltung wird von der Volkshochschule Bonn (VHS) gemeinsam mit dem BDA Bonn / Rhein-Sieg organisiert. Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich.

Weitere Artikel zu OB-Wahl 2015 in Bonn:

Die Kandidaten Tom Schmidt, Ashok Sridharan und Peter Ruhenstroth-Bauer zur OB-Wahl 2015 in Bonn vor der Diskussion im DGB-Haus am 24.8.15

Foto: Michael Lobeck, CC-BY 4.0, @michael_lobeck, promediare.de

Die Kandidaten haben – so der Moderator – vorab Fragen zu den Themenbereichen zugesandt bekommen und beantwortet. Der DGB wird die Antworten nach der Veranstaltung auf seiner Webseite dokumentieren. Ich vermute hier. UPDATE 26.08.15: Der genaue link ist dieser.

 

Hier nun die Fragen und Antworten auf den FAZ-Fragebogen, so wie ich sie verstanden habe:

Was würden Sie sich von einer guten Fee wünschen?
Sridharan: Die Zeit des Wünschens ist vorbei

Wann sind sie am glücklichsten?
Ruhenstroth-Bauer: Das eigene Kind zum ersten Mal in den Händen halten

Wo möchten Sie am liebsten leben?
Schmidt: In Bonn gefällt es mir gut.Es fehlt nur ein großer See. Noch schöner wäre deshalb Vancouver.

Was bringt Sie zum weinen?
Sridharan: Wenn es unseren Jungs schlecht geht.

Wovor haben Sie Angst?
Ruhenstroth-Bauer: Bei körperlicher Bedrohung und Angriff

Sie werden auf einsame Insel verbannt? Wen würden Sie mitnehmen? (außer Partnerin / Familie)
Schmidt: Einen bestimmten sehr guten Freund.

Welche drei Gepäckstücke würden Sie mitnehmen?
Sridharan: Radio, iPad und einen Bunsenbrenner.

Was ist Ihre Lieblingsmusik
Ruhenstroth-Bauer: Bach, Jazz Keith Jarrett

Was ist Ihre Lieblingsmusikgruppe?
Schmidt: Die Antwort hab ich leider nicht verstanden.

Lieblingsfilm?
Sridharan: Gandhi

Lieblingsschauspieler?
Ruhenstroth-Bauer: Bruno Ganz

Lieblingsschauspielerin?
Schmidt: Da kann ich mich nicht entscheiden
Sridharan durfte einspringen: Meryl Streep

Liebste Romanfigur?
Sridharan: Robinson Crusoe – auf Nachfrage: wegen des eisernen Willens

LieblingsschrfitstellerIn?
Ruhenstroth-Bauer: heute Hannah Arendt – über das ganze Leben: Michael Ende wegen Jim und Lukas

Lieblingsmaler oder -malerin?
Schmidt: Baselitz

Lieblingsfarbe?
Sridharan: Rot, hat aber nichts mit politischer Vorliebe zu tun.

### An dieser Stelle wurde eine Zuhörerin etwas ungeduldig: „Geht’s noch flacher?“ rief sie nach der Frage „Was ist Ihre Lieblingsfarbe?“ Es ging weiter. ###

Lieblingstier?
Ruhenstroth-Bauer: Elefant

Lieblingsblume?
Schmidt: Anemone

Wichtige Eigenschaften?
Sridharan: Verlässlichkeit, Ehrlichekit

Was verabscheuen Sie?
Ruhenstroth-Bauer: Ungerechtigkeit

Was war das größte Unglück der Menschheit?
Schmidt: Abwurf der Atombombe

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Sridharan: sehr, sehr viel

Was sind die drei wichtigesten Dinge im Leben?
Ruhenstroth-Bauer: Ausgeglicheneit, Humor und Gelassenheit

Was war Ihr schönster Moment?
Schmidt: Als meine Tochter gerade geboren war

Wovon träumen Sie?
Sridharan: Ich träume eigentlich gar nicht. Davon, dass die Kinder gesund bleiben und ehrlich und aufrichtig sind.

Welche Tugend und welches Laster haben Sie?
Ruhenstroth-Bauer: Tugend: Zuverlässigkeit / Laster: Schokolade
Schmdit: Tugend: Zuverlässigkeit und Hartnäckigkeit / Laster: Hartnäckigkeit
Sridharan: Tugend: Verlässlichkeit / Laster: Pünktlichkeit

Welche Eigenschaft würden Sie besitzen wollen?
Schmidt: Gelassenheit
Ruhenstroth-Bauer: besser Klavier spielen können
Sridharan: Fliegen

 

 

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