Archiv für den Monat Juli 2015

Die Daten-Vorrats-Verwertungs-Werbe-Lobby ohne historische Phantasie / Kommentar

Foto von einer Gracht in Amsterdam mit dem Hinterrad eines Fahrrades im Vordergrund

In einem sehr guten kurzen Editorial hat Holger Bleich in der letzten c’t das Thema auf den Punkt gebracht: Die Erhebung und Speicherung von personenbezogenen Daten hat schon einmal und kann jederzeit wieder sehr viel Unheil anrichten.

Bleich erwähnt kurz und bündig das damals fortschrittliche Bevolkingsregister der Stadt Amsterdam, einer frühen Smart City. Alles mögliche wurde von den Menschen erfasst – für eine effiziente Stadtpolitik. Und dann kamen die Deutschen und konnten die Ermordung der Amsterdamer Juden dank dieser wunderbaren Liste sehr effizient erledigen.

Vor diesem Hintergrund und mit einem Blick auf politische Entwicklungen in allen möglichen Teilen der Erde von Freital über Kobane oder Palmyra bis Peking bin ich tatsächlich sehr irritiert über Forderungen, Datenschutz zu reduzieren. Weiterlesen

Ein paar Gedanken zu Susanne Weingartens Essay „Der neue Souverän. Wie Facebook, Twitter und Co. den Staat überflüssig machen könnten.“

 

Foto eines Schaufensters in New York City 2008 mit der Aufschrift "We have moved to the Internet"

Foto: Claus-C. Wiegandt

Susanne Weingarten untersucht in ihrem Essay den Einfluss von internetgestützten Konzernen auf die Handlungsmöglichkeiten von Nationalstaaten.

Eine Stadt, die mit ihren Bürgern über Twitter kommuniziert dient als Ausgangsbeispiel und soll die Abhängigkeit des Staates von Konzernen symbolisieren. Der Löschbeirat von Google, der die Rechtsprechung zum „Recht auf Vergessen“ umsetzt, dient als Beleg für die These, dass Teile staatlicher Gewalt schon auf dem Weg in die neuen Medienkonzerne sind. Bitcoins werden aufgeführt, um die Angreifbarkeit der Zentralbanken zu illustrieren. Der Staat stehe unter Druck. Und er reagiere gereizt und etwas hilflos – mit Mitteln des Rechts und/oder der Abschottung.

Ja und nein.

Einige der Beispiele überzeugen mich nicht wirklich, auch wenn sie interessante Fragen aufwerfen. Weiterlesen