„Stadt von Übermorgen – Smart Cities“. Vortrag zum Fachgespräch des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) am 25. Juni 2014 in Bonn

Am 25. Juni 2014 lud Dr. Peter Jakubowski vom Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zu einem Fachgespräch zu Smart Cities ein. Aufbauend auf einem Diskussionspapier sollten verschiedene Experten die Aspekte des Themas vertiefen, die für die Fragen der strategischen Stadtentwicklung von Bedeutung sind. Michael Lobeck präsentierte sowohl die Erfahrungen der Evaluation von T-City, dem Smart-City-Projekt von Deutscher Telekom und Stadt Friedrichshafen als auch Ausblicke auf Entwicklungen der Zukunft, die für Stadtentwicklung eine hohe Relevanz haben. Das T-City-Projekt wurde von der Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalforschung des Geographischen Instituts der Unversität Bonn über die Laufzeit von sechs Jahren evaluiert.

Als wesentliche Erfahrungen aus dem T-City-Projekt erläuterte Michael Lobeck, der die Evaluation als Projektleiter begleitete, folgende Aspekte: Das allerwichtigste klinge vielleicht trivial, würde aber in vielen Projekten immer wieder nicht beachtet: Zuerst müssten die stadtentwicklungspolitischen Ziele geklärt werden und danach könne man sich auf die Suche nach Lösungen und Technologien machen. Es gäbe unzählige Anbieter toller Anwendungen auf dem Markt, die aber nicht weiterführten, wenn die Zielvorstellung nicht klar ist. Die Klärung von Zielen der Stadtentwicklung sei daher auch eine der wichtigsten Aufgaben von Beratung in Smart-City-Projekten. Diese Ziele müssten häufig nicht neu entwickelt werden. Die Hauptaufgabe sei es oft, die Priorität unterschiedlicher Ziele und ihre Widersprüche herauszuarbeiten und dann Entscheidungen herbeizuführen.

Eine weitere wichtige Erfahrung: Den Weg zu einer „smarten Stadt“ mit Bürgern und Zivilgesellschaft gemeinsam zu gehen, sei kein leicht zu erreichendes aber ein sehr lohnendes Ziel. Überall dort, wo die Bürgerinnen und Bürger im Projekt T-City einen Mehrwert für sich erkannt hätten, wurden neue Technologien oder Organisationsformen gerne ausprobiert und umgesetzt. Wo das nicht der Fall war, sank das Interesse und damit sowohl die Anwenderzahl als auch die aktive Mitarbeit. Das gelte auch für Unternehmen und andere Organisationen, die man einbinden will.

Daniel Schulz vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) und Oliver Märker von zebralog stellten ebenfalls in Vorträgen Aspekte der Entwicklung der Nutzung von Informationstechnologie in der Stadtentwicklung dar, die für die Zukunft bedeutsam sind oder werden. Daniel Schulz präsentierte Möglichkeiten und Grenzen der Big-Data-Auswertung z.B. für Werbeangebote in der Stadt, die zum Teil schon heute genutzt werden. So ist es über die Nutzung von anonymisierten Mobilfunkdaten bereits heute möglich, die relativ exakten Aufenthaltsorte von Menschen in der Stadt zu erheben. Für die Werbewirtschaft ist dies ein unschätzbarer Vorteil, da die Sichtbarkeit von Werbemaßnahmen viel genauer auf die potenziellen Kunden abgestimmt werden kann.

Oliver Märker zeigte zahlreiche Beispiele für die Möglichkeit der „crossmedialen“ Bürgerbeteiligung, die von zebralog konzipiert und umgesetzt werden. Es reicht von Anliegen- und Beschwerdemanagement in Bonn, Siegburg oder Gießen über die Einbeziehung der BürgerInnen bei der Suche nach Standorten für neue Fahrradabstellplätze in Nürnberg und den Berliner Angeboten, Lärmquellen in der Stadt oder gefährliche Kreuzungen ausfindig zu machen bis zu komplexen Beteiligungsverfahren in Stadtentwicklungsprozessen in München oder Ludwigshafen.

Die anschließende Diskussionsrunde machte klar, dass für eine sinnvolle Nutzung von Informationstechnologie für Fragen der Stadtentwicklung noch viele offene Fragen zu beantworten sind. Das BBSR wird das Thema weiter verfolgen und gegebenenfalls Vorschläge für Ressortforschungen erarbeiten.

Das BBSR ist ein dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) nachgeordnetes Forschungsinstitut, das das Ministerium in unterschiedlichen Fragen der Stadtentwicklung berät.

Weitere Informationen zum Smart-City-Projekt der Deutschen Telekom und der Stadt Friedrichshafen finden Sie in der als Buch veröffentlichten Dokumentation der Evaluation der Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalforschung des Geographischen Instituts der Universität Bonn und auf der Webseite stadtundikt.de.

Wenn Sie mehr über das Projekt T-City, seine Erfolge und Schwierigkeiten erfahren wollen, melden Sie sich einfach per Mail oder per Telefon.
Die Erkenntnisse aus dem Umsetzungsprozess können Ihnen als Vortrag oder auch als Workshop zu den Voraussetzungen und Schwierigkeiten in Smart-City-Prozessen zur Verfügung gestellt werden. Ihre eigenen Projekte zur Umsetzung von Smart-City-Elementen können von den Erfahrungen der Evaluation profitieren.

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